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<title>Haarbeutel</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Haarbeutel</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Ein <b>Haarbeutel</b> ist ein <a href="Beutel" title="Beutel">Beutel</a>, in den lange eigene oder <a href="Per%C3%BCcke" title="Perücke">Perücken</a>haare eingebunden werden.
</p>


<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Der Haarbeutel wurde zur Zeit <a href="Ludwig_XIV." title="Ludwig XIV.">Ludwigs&nbsp;XIV.</a> in <a href="Frankreich" title="Frankreich">Frankreich</a> Mode und um 1710 beim französischen und bayerischen Militär üblich. Nach der <a href="Franz%C3%B6sische_Revolution" title="Französische Revolution">Französischen Revolution</a> war die Zeit der Haarbeutel in Frankreich zu Ende.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Laut <a href="Carl_Julius_Weber" class="mw-redirect" title="Carl Julius Weber">Carl Julius Weber</a> waren zwei Drittel aller Haarbeutel Deutschlands in <a href="Sachsen" title="Sachsen">Sachsen</a> zu finden.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Haarbeutel sollte verhindern, dass die Bewegungsfreiheit des Trägers etwa beim Reiten durch umherflatternde Haare eingeschränkt wurde bzw. die Frisur zerstört wurde,<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> außerdem schützte er dessen Oberbekleidung davor, mit <a href="Puder" title="Puder">Puder</a> in Berührung zu kommen. Gabriel Busch erklärt, dass anfangs, als der Haarbeutel hauptsächlich beim Reiten zum Einsatz kam, auch die Pferdeschweife in ähnliche Beutel eingebunden wurden. Später wurden Haarbeutel zu jedem Anlass und in allen Größen getragen.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine ähnliche Funktion erfüllt das <a href="Haarnetz" title="Haarnetz">Haarnetz</a>, der militärische <a href="Haarnetz-Erlass" title="Haarnetz-Erlass">Haarnetz-Erlass</a> wurde gelegentlich auch unter dem Namen Haarbeutel geführt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aussehen">Aussehen</h2></div>

<p>Der Haarbeutel wurde im Normalfall aus schwarzem <a href="Taft_(Gewebe)" title="Taft (Gewebe)">Taft</a> oder aus <a href="Seide" title="Seide">Seide</a> genäht und mit <a href="Watte" title="Watte">Watte</a> oder <a href="Werg" title="Werg">Werg</a> ausgepolstert. Der flache, schleifengeschmückte Beutel, der sich nach unten verbreiterte, nahm den eigenen, gepuderten Haarzopf oder das Hinterhaar der Beutelperücke des Trägers auf und hing in dessen Genick. Je nach Anlass und Mode konnte er einen großen Umfang erreichen.
</p><p>Übertrieben große Haarbeutel wurden mitunter Ziel des Spottes, so soll <a href="Gottfried_August_B%C3%BCrger" title="Gottfried August Bürger">Gottfried August Bürger</a> ein bissiges <a href="Epigramm" title="Epigramm">Epigramm</a> auf den umfangreichen Haarbeutel eines Mitschülers in <a href="Aschersleben" title="Aschersleben">Aschersleben</a> geschrieben haben, das zu einer so erbitterten Prügelei führte, dass der Rektor eingreifen musste. Nachdem dieser Bürger verprügelt hatte, wurde er allerdings von dessen Großvater verklagt, der den Enkel schließlich aus der Schule nahm und im <a href="Franckesche_Stiftungen" title="Franckesche Stiftungen">Halleschen Pädagogium</a> anmeldete.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Vermutlich von <a href="Joseph_Nees" title="Joseph Nees">Joseph Nees</a> stammt eine Gruppe von <a href="Porzellan" title="Porzellan">Porzellanfiguren</a>, die zu einer <i>Venezianischen Messe</i> gehört und um 1765 angefertigt wurde. Sie zeigt einen Herrn, der wegen seines übertrieben breiten Haarbeutels nicht in der Lage ist, problemlos einen Torbogen zu durchschreiten. Ein Diener muss ihm helfen, die umfangreiche Konstruktion durch den Bogen zu manövrieren, während ein schlichter gekleideter Zaungast die Szene lachend beobachtet.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Haarbeutel_in_Redensarten_und_Buchtiteln">Haarbeutel in Redensarten und Buchtiteln</h2></div>
<p>Redensartlich wurde auch ein leichter <a href="Rausch" title="Rausch">Rausch</a> als Haarbeutel bezeichnet. Dies ging angeblich auf einen <a href="Major" title="Major">Major</a> aus der Zeit des <a href="Siebenj%C3%A4hriger_Krieg" title="Siebenjähriger Krieg">Siebenjährigen Krieges</a> zurück, der mit seiner Frisur und Kleidung nicht zurechtkam, wenn er zu viel getrunken hatte, und sich dann statt mit dem vorschriftsmäßigen steifen <a href="Soldatenzopf" title="Soldatenzopf">Soldatenzopf</a> mit einem Haarbeutel zeigte;<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> es gibt jedoch auch andere Herkunftstheorien. <a href="Karl_Friedrich_Wilhelm_Wander" title="Karl Friedrich Wilhelm Wander">Wander</a> erklärt den Ausdruck „Er hat (sich) einen Haarbeutel (gekauft)“ für „Er ist berauscht“ damit, dass „gemeine Leute manchmal im Rausche sich etwas Höheres und Wichtigeres zu sein dünken, als sie wirklich sind, mithin in der Einbildung einen Haarbeutel tragen“. Die Redensart kann aber laut Wander auch bedeuten, dass sich jemand etwas Überflüssiges angeschafft hat.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Mehrere literarische Werke haben das Wort „Haarbeutel“ im Titel, so die Posse <i>Vater Noah’s Haarbeutel</i> von <a href="Karl_Emil_von_Schafh%C3%A4utl" title="Karl Emil von Schafhäutl">Karl Emil von Schafhäutl</a>, <a href="Julius_von_Vo%C3%9F" title="Julius von Voß">Julius von Voß</a>’ <i>Geschichte des Ministers Grafen Sternthal, der mit einem französischen Haarbeutel anfing und mit einem altdeutschen Barrett endete</i> und <i>Die Haarbeutel</i> von <a href="Wilhelm_Busch" title="Wilhelm Busch">Wilhelm Busch</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Brockhaus, Kleines Konversationslexikon, 1911.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Carl Julius Weber: <i>Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen</i>. Dritter Band. 3. Auflage. Stuttgart 1855, <a rel="nofollow" class="external text" href="http://books.google.de/books?id=1yY1AQAAMAAJ&amp;pg=PA146&amp;dq=haarbeutel&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=6m-NUafZFYqu4QTYqIG4Bg&amp;ved=0CDcQ6AEwATgK#v=onepage&amp;q=haarbeutel&amp;f=false">Google Books</a> S. 146, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/bub_gb_1yY1AQAAMAAJ/page/n148/mode/1up">Textarchiv&nbsp;– Internet Archive</a>.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Ursprung der Haarbeutel</i>. In: <i>Concordia. Passauer gemeinnütziges Unterhaltungs- und Anzeigeblatt</i>, Dritter Jahrgang, 1849, o. S.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Gabriel Christian Benjamin Busch: <i>Handbuch der Erfindungen</i>. 4. Teil, 2. Abteilung. 4. Auflage. Eisenach 1808, <a rel="nofollow" class="external text" href="http://books.google.de/books?id=nfw2AAAAYAAJ&amp;pg=RA2-PA3&amp;dq=haarbeutel&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=6XGNUeyLFsz54QTWnIB4&amp;ved=0CGIQ6AEwCDgU#v=onepage&amp;q=haarbeutel&amp;f=false">S. 3</a>.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Karl Heinrich Jördens (Hrsg.): <i>Denkwürdigkeiten, Charakterzüge und Anekdoten aus dem Leben der vorzüglichsten deutschen Dichter und Prosaisten</i>. 1. Band. Leipzig 1812, S. 302 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.museenkoeln.de/portal/bild-der-woche.aspx?bdw=2008_23"><i>Mann gönnt sich ja sonst nichts! – Bild der Woche.</i></a> In: <i>museenkoeln.de.</i> 9.&nbsp;Juni 2008,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 1.&nbsp;Oktober 2022</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AHaarbeutel&amp;rft.title=Mann+g%C3%B6nnt+sich+ja+sonst+nichts%21+%E2%80%93+Bild+der+Woche&amp;rft.description=Mann+g%C3%B6nnt+sich+ja+sonst+nichts%21+%E2%80%93+Bild+der+Woche&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.museenkoeln.de%2Fportal%2Fbild-der-woche.aspx%3Fbdw%3D2008_23&amp;rft.date=2008-06-09">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text"><cite style="font-style:italic">Haarbeutel</cite>. In: <cite style="font-style:italic"><a href="Meyers_Konversations-Lexikon" title="Meyers Konversations-Lexikon">Meyers Großes Konversations-Lexikon</a></cite>. 6. Auflage. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>8</span>: <i>Glashütte–Hautflügler</i>. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1907, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>573</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeno.org/nid/20006726992">Digitalisat.</a> <a href="Zeno.org" title="Zeno.org">zeno.org</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Haarbeutel&amp;rft.atitle=Haarbeutel&amp;rft.btitle=Meyers+Gro%C3%9Fes+Konversations-Lexikon&amp;rft.date=1907&amp;rft.edition=6.&amp;rft.genre=book&amp;rft.pages=573&amp;rft.place=Leipzig+%2F+Wien&amp;rft.pub=Bibliographisches+Institut&amp;rft.volume=Band+8%3A+Glash%C3%BCtte-Hautfl%C3%BCgler" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Haarbeutel</i>. In: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): <i>Deutsches Sprichwörter-Lexikon</i>, Band 5. Leipzig 1880, <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeno.org/Wander-1867/A/Haarbeutel">S. 230</a>.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text"><cite style="font-style:italic"><span style="font-style:normal;"></span></cite>. In: <a href="Jacob_Grimm" title="Jacob Grimm">Jacob Grimm</a>, <a href="Wilhelm_Grimm" title="Wilhelm Grimm">Wilhelm Grimm</a> (Hrsg.): <cite style="font-style:italic"><a href="Deutsches_W%C3%B6rterbuch" title="Deutsches Wörterbuch">Deutsches Wörterbuch</a></cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>10</span>: <i>H, I, J</i> – (IV, 2. Abteilung). S. Hirzel, Leipzig 1877, <span style="white-space:nowrap">Sp.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>25</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Haarbeutel&amp;rft.atitle=&amp;rft.btitle=Deutsches+W%C3%B6rterbuch&amp;rft.date=1877&amp;rft.genre=book&amp;rft.place=Leipzig&amp;rft.pub=S.+Hirzel&amp;rft.volume=Band+10%3A+H%2C+I%2C+J+-+%28IV%2C+2.+Abteilung%29" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Heinrich König: <i>König Jérômes Carneval</i>, 3. Teil. Leipzig 1855, S. 303, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/bub_gb_M6Q7AAAAcAAJ/page/n314/mode/1up">Textarchiv&nbsp;– Internet Archive</a>.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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